Zottelbilwis

Schnitterfest im August

Monat der Fülle / Wissenswertes über Getreide von Michel vom Berch

Video Michel Getreide
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Von Dorothee Balzereit

Der August, die Erntezeit, ist für Naturliebhaber Michel vom Berch von jeher eine schöne Zeit. Der Hochsommer, wenn die Nächte schon länger werden, und man in der Wiese liegend den besonders schönen Sternenhimmel schauen kann, ist Symbol der Fülle: Wenn die Früchte des Waldes, wie Brombeeren und Himbeeren, und auch frühe Apfelsorten sowie Schattenmorellen (Sauerkirschen) reifen: "Darauf habe ich mich immer gefreut, es gibt so viel zu probieren und zu futtern".

 

Auch unsere germanischen Vorfahren widmeten dem heidnischen Gott der Feuerlohe, Lugus oder Lodur, in dieser Zeit ein Fest: das Schnitterfest. Wie bei anderen heidnischen Riten versuchte der Klerus den Brauch auszumerzen und machte daraus die "Petri Kettenfeier" (zur Erinnerung an Petrus, der in Jerusalem in Ketten gefangen gehalten und von einem Engel befreit wurde). Ein bisschen ließ die Kirche den Heiden in diesem Fall dann aber doch: die Maria-Kräuterweihe zu Maria Himmelfahrt am 15. August. Vielleicht, weil man den Genuss der Kräuter zu schätzen wusste: Denn bei den Heilkräutern, die die Frauen im heißen August sammelten, wurde die Bildung von Wirkstoffen und ätherischen Öle stark begünstigt. Auch ein paar Kräuter, die Blitz oder Unglück abhalten sollten, kamen dazu. Und  solche, die die Libido anregen sollten, wurden ebenfalls in den Kräuterbusch getan.

Und was für ein schönes Bild unsere Vorfahren für die Kornernte hatten: Der kluge, feurige Gott Loki, der Sif, der Gemahlin des Donnergottes Donar (Thor), die goldglänzenden Haare schneidet. Sie verkörperte offentsichtlich das reife Kornfeld.

Neben den Göttern gab es Geister: Die Bilwisse, deren Name so viel bedeutet wie "die wundersam Wissenden" behüteten beispielsweise das Feld. Weiße Gewänder sollen sie getragen haben und verfilzte Zotteln (Dreadlocks, Bilwis-Zotteln) wie die Erdgöttin Frau Holle. Diese Getreidegeister, aus denen  später böse Korndämonen wurden, die mit Sicheln an den Füßen nachts durch die Kornfelder tanzten, steckten rund um das Feld sogenannte Wolfskräuter wie Arnika oder Ebereschenzweige in die Erde. So sollte die Kraft, die das Korn zum Wachsen braucht, auf dem Feld bleiben. Außerdem sollen sie zur Ernte den ersten Schnitt getan und Segensworte gesprochen haben, meinen manche. Übrig geblieben ist der Glaube, dass beim Schneiden des Korns der Kornwolf, der Korngeist oder die alte Kornfrau in der letzten Garbe gefangen wird, wenn die Schnitter und Gartenbinderinnen vorrückten. Diese wurde geschmückt, mit bluaen Kornblumen, roten Kornraden und weißen Feldkamillen und und auf dem Erntewagen durchs Dorf gefahren.

Michel getreidebild

Druide Michel vom Berch wäre heute schon froh, wenn die Vorzüge alter Getreidesorten wieder mehr in unser Bewusstsein rücken würden. Die Veränderung der Pflanzen durch Genmanipulation stimmt ihn nachdenklich. Dabei gibt es kaum ein Getreide, das so resistent ist gegen schädigende Umwelteinflüsse wie der Dinkel (Vorgänger des Weizens). Er eigne sich bestens als Biogetreide und braucht kaum Herbizide, Fungizide oder Pestizide. In seiner eigenen Mühle mahlt Michel vom Berch Mehl, dass er nicht nur zum Brotbacken nimmt, sondern auch für den Frühtücksbrei, denn anders als beim Brotbacken gehen auf diese Weise kaum Mineralien und Vitamine verloren.

Dinkel

Eine Vorliebe hat der Druide außerdem für Grünkern und der, erzählt er, entstand so: Früher sei es schwierig gewesen, den richtigen Zeitpunkt für das  Schnitterfest und die Ernte abzupassen. Wenn man ihn verpasste, war die Ernte hin und man musste hungern. Deshalb kamen die Bauern auf die Idee, auch unreifes Getreide zu schneiden und über dem Feuer zu trocknen. "Das Ergebnis war sensationell: Wir kennen das heute noch als Grünkern und nutzen das Getreide für Suppen, Klopse und  Aufläufe."

Mühle2

Ein Tipp: Wer keine eigene Mühle hat, kann das Getreide in der Regel kostenlos in Bioläden mahlen lassen.