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Zu Besuch beim Druiden

Über das Wirken von Michel vom Berch

Von Dorothee Balzereit

Michel vom Berch sagt über sich selbst, er sei ist ein neuzeitlicher Druide. Aber auch die Bezeichnung Phytologe, Aromatherapeut oder Philanthrop sei nicht verkehrt. Fakt ist: Der heute 60-Jährige sammelt seit seinem sechsten Lebensjahr Kräuter, Pilze und Rezepte. Für das, was er liebt, hat der erfolgreiche Firmengründer seine Geschäfte an den Nagel gehängt.

Auf viele Menschen übt das geheimnisvolle Wirken von Druiden magische Anziehungskraft aus. In Wirklichkeit weiß man wenig über die oft als geistige Elite der Keltenbezeichnete Gruppe, die als Priester, Dichter, Ärzte, Astronomen, Philosophen und Magier gewirkt haben soll, denn ihr Wissen gaben die Druiden ausschließlich mündlich weiter. Was wir heute wissen, stammt weitestgehend aus römischen und mittelalterlichen christlichen Quellen. Von Plinius dem Älteren ist die Tradition des weiß gekleideten Druiden überliefert, der mit der goldenen Sichel Mistelzweige in Eichen schneidet. Albert Uderzo, der Zeichner des Comics „Asterix“ nahm es wahrscheinlich als Vorlage für das Aussehen von Miraculix, dem Druiden des bekannten gallischen Dorfes.

Den kennt auch Michel vom Berch aus Bodenwerder. Der neuzeitliche Druide, wie er sich selbst nennt, mag Miraculix, und „wenn ich mir die Hefte als Kind hätte leisten können, hätte ich sie mir gekauft.“ Gelangweilt hat sich Michel vom Berch, der 1956 in Bad Lauterberg im Harz geboren wurde, als Kind dennoch selten. Auf den Fußballplatz zog es ihn allerdings nie. Er ging schon damals ganz allein in den Wald, sammelte Pilze und Kräuter, redete mit den Bäumen oder saß in ihren Kronen, um stundenlang in die Gegend zu gucken: „Das war das Schönste, was es gab“.
Heute sitzt Michel vom Berch zwar nicht im Baum, aber er tut das, woran sein Herz hängt: Kräuter und Pilze sammeln, kochen, braten sowie Elixiere und Zaubertränke herstellen. Nebenbei traut er Pärchen in keltischer Tradition vor dem Universum (52 Anfragen hat er allein in diesem Jahr), schreibt ein Buch, das mehr ein Almanach wird und erzählt seinen Enkelkindern selbst ausgedachte Geschichten. „Auch die Bezeichnung Phytologe, Aromatherapeut oder Philanthrop wäre passend“, sagt Michel vom Berch über sich selbst. Für seine Rituale flicht ihm seine Enkelin Zoe oft den weißen langen Bart in drei Zöpfe, zwei schmale außen, ein mittlerer dicker innen. Weiße wallende Gewänder, in denen Druiden oft dargestellt werden, braucht Michel nicht, das hält er für Unsinn. Er bevorzugt Nachhaltiges aus Leinen, nur für Trauungen legt er das festliche Gewand mit der langen Kapuze und den eingestickten Symbolen an, das er extra hat nähen lassen. Eine Kette mit Mistelzweigen hat er immer um, mit jeder verbindet Michel eine Geschichte. Dass zwischen diesem friedlichen Dasein in dem gemütlichen, von allerlei Räucherwerk eingehüllten Holzhaus am Waldrand von Bodenwerder und dem Kräuter suchenden Kind eine überaus weltliche Karriere liegt, glaubt man kaum, wenn man dem 60-Jährigen mit dem langen weißen Haar gegenübersitzt. Schon gar nicht, dass er sein Berufsleben mit einer Beamtenlaufbahn bei der Polizei begann. Damals hieß er allerdings auch noch Michael Hans Arnhold, Michel vom Berch ist sein Ordensname.

 „Aber dort war ich gar nicht glücklich“, sagt er. „Die Zwänge, die Enge, die Reglementierung – das war Gegenteil von dem, was ich liebte.“ Dennoch blieb er eine Weile, bevor er als Regierungsassistent zur Bezirksregierung ging. Doch auch dort hielt es ihn nicht lang. Er gründete und übernahm verschiedene Firmen. Eine besondere Idee brachte er aus Australien mit, wo sein Vater lebt: Die „Dog-Clean-Station“. Die transportable Waschstation für Hunde, deren Besitzer keine Lust hatten, sich mit den Mühen der Hunde-Duscherei zu plagen, war auch in Deutschland erfolgreich. Sie lief ebenso gut, wie die anderen Firmen, doch inneren Frieden hatte Michel vom Berch immer noch nicht gefunden. Nach der Jahrtausendwende habe er alles angestoßen, einige Firmen seinen Kindern übertragen und sich mit seiner Frau sein eigenes Reich in Bodenwerder geschaffen. „Ich habe das Glück finanziell unabhängig zu sein“, sagt vom Berch auf die Frage, wovon er heute lebe. In geschäftlichen Dingen hat der Druide ein so glückliches Händchen. Er ist scheinbar nicht der abgehobene Esoteriker, der die Flucht in romantisch-entrückte Sphären angetreten hat, weil er sich im System der modernen Gesellschaft nicht zurechtfindet. Doch was ist er? Der gewaltfrei-ökologische Neodruide des New Age? Der genial-visionäre Druide der Romantik? Der rational-deistische Druide der Aufklärung oder der naturreligiös-monotheistische Druide des Humanismus? Vielleicht ein bisschen von allem.
Oft wird gesagt, dass das Druidentum schon immer eine Projektionsfläche wechselnder Wunschbilder war. Herr der Ringe-Autor J. R. R. Tolkien, sagte über die moderne Keltophilie gar, dass diese einem Sack gleiche, in den die Menschen nach Belieben Inhalte hineinfüllen oder herausholen. Was in allerdings nicht daran gehindert hat, das Keltentum für seine Romane erfolgreich auszuschlachten.

Tolkiens harsches Urteil verblasst schnell, wenn man bei Michel vom Berch weilt. Vielleicht liegt es daran, dass Michel vom Berchs Druidentum vor allem die Suche nach einem eigenen Weg im Leben ist – und zwar, ohne andere missionieren zu wollen. Er liebt einfach, was er tut: Und am allerliebsten aber beschäftigt er sich mit Pflanzen, Pilzen und Elixieren. Sein Wissen ist enorm – seit seinem sechsten Lebensjahr fühlt sich der Druide den Pflanzen, Kräutern und vor allem den Pilzen zugetan. Wer will, kann mit ihm auf Kräuterwanderung gehen und kochen.
Wenn er von der Verarbeitung des Johanniskrauts, das Anfang Juni hinter seinem Haus blüht, zu Rotöl erzählt, entstehen Bilder im Kopf: „Die Herstellung ist einfach: Man sucht das Getüpfelte, das kann man leicht erkennen, wenn man die kleinen Blätter gegen die Sonne hält: Wenn da wie tausend Sterne die Sonne durchstrahlt,dann ist es das perforierte Johanniskraut (Hypericum perforatum). Das hat den höchsten Wirkstoff“, erklärt der Druide. „Zerreibt man das Blatt zwischen den Fingern, wird es rot.Das ist der Stoff, den man will.“ Die Blüten in einer Flasche gesammelt, aufgefüllt mit beispielsweise Distelöl und in die Sonne gestellt – „fertig ist ein wunderbares Rotöl“.

Mehr Rezepte und Infos über das Wirken von Michel vom Berch gibt es unter https://www.google.de/search?q=Druidenwerk&ie=utf-8&oe=utf-8&client=firefox-b-ab&gfe_rd=cr&ei=lSlpV-f8C4HZ8Afp0IHICA