Vollmond

Mystischer Vollmond 

Sein Licht bringt Menschen sicher heim, steuert die Gezeiten, lässt Werwölfe heulen 

 

 

 

Viele leiden unter schlaflosen Nächten, wenn der Mond mit ganzer Stärke ins Schlafzimmer leuchtet. Sich im Bett herumwälzend fällt es leicht, seinen Kräften die Schuld dafür zuzuschieben. 

 

Von Gabriele Laube

Sein Licht bringt Menschen seit Jahrtausenden sicher heim; er steuert aber auch die Gezeiten, lässt Werwölfe heulen und Regenwürmer eifriger buddeln. Ganz nebenbei führt er Liebende zusammen und sorgt dafür, dass Babys sanft abgestillt werden. All das und noch viel mehr wird dem regelmäßiges Auf- und Abschwellen des Mondes zugeschrieben. Unzählige Menschen leben im Einklang mit seinem Zyklus und wäre die Wissenschaft kein Spielverderber, könnte das Leben ziemlich einfach planbar sein. Wie eine gute Ernte oder ein perfekter Haarschnitt gelingen können, glaubt das österreicherische Ehepaar Johanna Paungger und Thomas Poppe zu wissen. Millionen Leser kaufen ihren Mondkalender und richten ihr Jahr danach ein. Dessen vereinfachte Regel lautet: Bei abnehmendem Mond gelingt alles, bei dem etwas entfernt wird – Schmutz, Organentnahme oder die Ernte reifen Getreides. Bei zunehmendem Mond wächst, gedeiht und vermehrt sich alles optimal. Und laut lunarer Lebensplanung ist Vollmond bestens zum Abstillen geeignet. Und wenn es nur der Glaube ist, der Berge versetzt – Hauptsache, es funktioniert. 

Frühere Kulturen sahen im Mond ein lüsternes männliches Wesen, dass Jagd auf Jungfrauen macht. Sie schoben ihm den Grund für die Periode der Frau zu, denn Mond- und Menstruationszyklus sind nahezu gleich lang. Nur ein Zufall? Dabei werden dem Vollmond besonders Kräfte nachgesagt: Er entflamme Liebende und sorge für Fruchtbarkeit, doch seine Macht soll Menschen auch unruhig und aggressiv machen. Möglich, das daraus der Mythos vom wütenden Werwolf entstand. Im Englischen heißen Wahnsinnige ja auch „Lunatics". Viele Mythen ranken sich um unser Nachtgestirn. Doch wer vermag sich schon dem magischen Leuchten der „Lumpenlaterne“ zu entziehen? Was der schwäbsche Volksmund liebevoll lästernd beschreibt, gilt für Zecher, die im Schein des vollen Mondes besser nach Hause finden – und das vielleicht seit Jahrtausenden. Denn der älteste überlieferte Mondkult vom Volk der Sumerer lässt sich mehr als 5400 Jahre zurückverfolgen. Dem gegenüber stehen heutzutage bis zu 30.000 deutsche Frauen, die alte Überlieferungen lesen und sich selbst Hexen nennen. Sie brauchen den Mondschein, um in Vergangenheit und Zukunft zu blicken – oder mit Ritualen Paare zusammenzubringen, denn Liebeszauber gelingen bei Vollmond. 

Aber kann diese um die Erde kreisende Gesteinskugel Mensch und Natur tatsächlich beeinflussen? Ja, sagen laut einer Umfrage 92 Prozent aller Deutschen. Nein, halten Forscher dagegen. Obwohl es tatsächlich Ausnahmen in der Tierwelt gibt, wie den Regenwurm, fehlen die Beweise für die vielen Mythen und Theorien rund um den (Voll-)Mond. 

Allen Zweifeln zum Trotz ist eines sicher: Ohne den stabilisierenden Einfluss des Mondes gäbe es kein Leben auf der Erde und somit niemanden, der über seine Einflüsse spekulieren könnte. 

Im Zenit steht der Vollmond am 16. Oktober um 6.23 Uhr, er wird uns nicht nur besonders groß erscheinen, sondern kommt der Erde auf seiner Umlaufbahn mit 357  860 statt 384  400 Kilometer tatsächlich so nah wie noch nie in diesem Jahr.

Foto: gl