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Mysterium Hohenstein

Sagenhafte Klippen - Von Weißen Hirschen und Bannflüchen

Von Nicole Trodler

Nach dem Aufstieg zu den Klippen ist der Grüne Altar das erste Felsmassiv, das der Wanderer erreicht. Danach kommt die Teufelskanzel und als dritter Hohensteinfelsen der Hirschsprung. Dieser darf jedoch nicht mehr betreten werden. Die Kanzel ist abbruchgefährdet und liegt im abgesperrten Naturschutzgebiet.
Grüner Altar, Teufelskanzel, Hirschsprung – die Namen der Klippen des Hohenstein sind klangvoll und lassen gleich abenteuerliche Geschichten in den Köpfen phantasiebegabter Menschen entstehen. Und tatsächlich: Auch um den Hirschsprung und die Teufelskanzel ranken sich Legenden.

Hoch oben auf dem Hirschsprung soll der Weiße Hirsch leben. Dieser ist nicht nur aufgrund seiner Farbe eine Besonderheit, sondern er trägt der Überlieferung nach auch ein weißes Einhorn. So ist es beispielsweise in den schönsten Wesersagen von Karl Paetow nachzulesen. Der Hirsch soll einst einem Hirten das beste Rind von der Weide geholt haben. Als dieser versuchte, sein Tier zurückzubekommen, erschien ein langer, hagerer Mann mit eisgrauen Haaren aus dem Dickicht. In der einen Hand hielt dieser ein goldenes Schwert, das Blitze schlug. In der anderen ein goldenes Horn, mit dem er Donnerwind erzeugen konnte. Mit diesem beförderte er den Hirten zurück zu seiner Herde. Als dieser – unterstützt von einigen Bauern – einen weiteren Versuch wagte, stieß der Mann erneut in sein Horn. Der Wind wirbelte die Männer weit hinauf bis unter die Wolken und durch den Sturz auf die Erde kamen sie – so die Geschiche – alle zu Tode. Seitdem soll es kein Mensch mehr gewagt haben, sich gegen die Geister des Berges zu erheben.
Mit dem Namen Teufelskanzel war ebenfalls ursprünglich eine abschreckende Wirkung verbunden. Er soll auf einen Bannfluch von Missionaren zurückgehen. Dieser sei ausgesprochen worden, um die Menschen davon abzuhalten, auf den Klippen weiter den Göttern zu huldigen. Auf eine Teufelskanzel sollte sich niemand mehr hin wagen.
Die Bezeichnung Grüner Altar schließlich geht auf die Zeit der Nutzung als Opferaltar zurück.Stürze in den Tod - Unglücksfälle am Berg

Der Hohenstein ist mit seinen über 40 Meter hinaufragenden Klippen immer wieder Schauplatz von Unfällen. „Wanderer hab acht! An dieser Stelle verunglückte unser Kind.“– Dieser Hinweis auf einem Gedenkstein erinnert an den Fall der 13-jährigen Renate Ricke aus Hamburg, die 1956 bei einem Absturz ums Leben kam.
Auch in den letzten Jahren mussten die Rettungskräfte immer wieder zu Einsätzen ausrücken. Ein 26-Jähriger Kletterer aus Rinteln hatte im Mai 2001 Glück: Als er an der Teufelskanzel 20 Meter in die Tiefe stürzte, rettete ihn die Seilsicherung. Fünf Jahre später zog sich ein 19-jähriger Vatertagswanderer bei einem 25-Meter-Sturz in eine Felsspalte nur Schürfwunden zu.
Am Hohenstein sind aber auch schon mehrere Menschen umgekommen. In den letzten zwei Jahren allein gab es zwei Todesfälle. Am 17. April 2014 stürzte ein 26-jähriger Hamelner an der Teufelskanzel in den Tod und am 19. September 2015 ist ein 29 Jahre alter Mann aus Bad Pyrmont im Bereich des Grünen Altars tödlich verunglückt. Da der Hohenstein ein beliebtes Wander- und Ausflugsziel ist, ereigneten sich viele Vorfälle rund um den Vatertag.Die Felsen hinauf - für das Klettern am Hohenstein gibt es einige Einschränkungen

Kletterer, die im Weserbergland hoch hinaus wollen, kommen am Hohenstein nicht vorbei. Die Felsen sind mit ihren über 40 Metern die höchsten in der Region.
Wer den Gipfel erklimmen möchte , muss jedoch einige Regeln befolgen, denn nicht überall darf auch geklettert werden. Nachdem die Kletterer am Hohenstein zunächst geduldet worden sind, wurde Ende der 1960er Jahre ein Verbot verhängt. Nach einem langen Streit, der auch im Landtag Thema war, einigte man sich schließlich auf eine Kompromisslösung: Es wurden Tabu- und Kletterzonen ausgewiesen. Klettern ist laut Deutschm Alpenverein seitdem von der Eibenwand bis zum Grünen Altar erlaubt, vom Riff bis zur Saugasse jedoch verboten.
Zudem ist seit etwa 15 Jahren der Aufstieg in der Zeit vom 1. Oktober bis zum 15. März an einigen Stellen sogar komplett untersagt. Diese Sperre dient dem Schutz der in den Felswänden überwinternden Fledermäuse. Zur Brutzeit der Uhus darf an der Schrofenwand nicht geklettert werden.
Detaillierte Hinweise zum Klettergebiet Hohenstein gibt es auf der Internetseite des Vereins IG Klettern Niedersachsen.

Klettern am Hohenstein

Seltene Pflanzen, seltene Tiere - unterwegs im Naturschutzgebiet

Der Hohenstein bietet vielen seltenen oder gefährdeten Pflanzen und Tieren eine Heimat. Die Klippen bestehen aus kalkreichem Sedimentgestein, das sehr viele Nährstoffe enthält. Ein guter Nährboden für die Pflanzen. An der Kalksteinwand wachsen unter anderem Pfingstnelke, Bärlauch, österreichische Rauke, das westfälische Brillenschötchen und auch seltene Farne. Nach Angaben der niedersächsischen Landesforsten kommen sechs Blütenpflanzenarten im Hohensteinbereich landesweit einmalig vor.
Die Wälder des Hohenstein bestehen hauptsächlich aus Buchen, eine markante Erscheinung sind die verdrehten und in die Breite wachsenden Süntelbuchen. Im Bereich der Moosköpfe, im Nordwesten des Hohensteins, finden sich zudem einige Exemplare der als Waldbäume vom Aussterben bedrohten Eiben.
Die Felsen sind auch Brutstätten schützenswerter Vogelarten wie Uhu oder Wanderfalke und bieten Fledermäusen ein Winterquartier. Auch ein Luchs sei vor einigen Jahren nachgewiesen worden, erzählt Christian Weigel vom Forstamt Oldendorf.
Um die Pflanzen und Tiere zu schützen, ist der Hohenstein als Naturschutzgebiet ausgewiesen, manche Bereich sind abgesperrt. Es gibt zudem einen großen Bereich mit Naturwald, in dem keine Forstwirtschaft betrieben wird und sich die Natur ohne menschliche Einflussnahme entwickeln darf.

 

 

Opfer für die Götter - Kult um Ostara

Der Hohenstein war in germanischer Zeit auch Versammlungs-, Gerichts- und Opferort. Germanen, auch Cherusker und Sachsen haben dort einst ihre Götter verehrt.
Besonders intensiv soll der Kult um die Frühlingsgöttin Ostara betrieben worden sein. Das bezeugt eine Runentafel aus gebranntem Ton, die um 1500 auf der Ostseite des Plateaus gefunden wurde. Eine Nachbildung dieser Tafel kann heute in einem Marburger Museum betrachtet werden.
An der Kultstätte sollen Tier- und möglicherweise auch Menschenopfer erbracht worden sein. Es heißt, die Pfingstnelken an der Felswand hätten ihre rote Farbe durch das viele Blut erhalten. Der Platz, an dem sich der Opferstein befindet, kann heute jedoch nicht mehr betreten werden. Die Stelle liegt ebenso wie ein altes Hügelgrab in einem abgesperrten Bereich. Zum einen um Raubgräberei zu verhindern. Zum anderen um die botanischen Besonderheiten des Hohenstein zu schützen.
Ob es Ostara wirklich gegeben hat, ist in der Forschung umstritten. Schlüssig scheint jedoch, dass das christliche Osterfest auf dem germanischen Frühlingsfest zu Ehren der Ostara beruht. Der Name der Göttin wurde übrigens von keinem Geringeren als Jacob Grimm hergeleitet und verbreitete sich gut, weil dieser als Sprachwissenschaftler großen Einfluss hatte.

Ostara