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Wiederkehr des Lichts

Mit dem spätwinterlichen, keltischen Fest „Imbolc“ sind viele Bräuche und Sehnsüchte verbunden

Von Dorothee Balzereit

Noch nicht Frühling, aber nicht mehr Winter, das ist die Zeit im Februar, in der einst das Kreuzviertelfest gefeiert wurde, auch Maria Lichtmess genannt. Es ist die Zeit, in der langsam wieder Leben in die Natur kommt und die Tage länger werden. Früher beobachteten die Bauern in dieser Zeit die Bären, denn wenn diese sich aus der Höhle wagten, war der Frühling nicht mehr fern. Als es keine Bären mehr gab, hielt man Ausschau nach dem Dachs und die Farmer in Amerika beobachteten das Waldmurmeltier. Als Lichtmess gilt dort der Murmeltiertag (Groundhog Day). Nach Samhain Anfang November und dem Wintersonnewendfest (Weihnachten), war Imbolc, auch Percht oder Fastnacht genannt, das dritte Fest im Jahreskreis der Kelten.


Die Kraft der Natur, die nun mit der weißen Göttin Brigid zurückkam, wurde sehnsüchtig erwartet. Symbole für Imbolc sind die Birke und das Schneeglöckchen, das um diese Zeit auf den Britischen Inseln bereits blüht. Der Name Imbolc soll soviel wie „Rundum-Waschung“ bedeuten und betont den Reinigungsaspekt dieses Festes. Und so, wie das Eis schmilzt, die Gewässer wieder fließen, der Saft in die Bäume schießt und die Pflanzen anfangen zu sprießen. Noch immer soll es alte Bauern geben, die an diesem Tag ihre Obstbäume wachrütteln und den Bienen im Stock die frohe Botschaft verkünden. Vielerorts soll das Dreschen und Spinnen an diesem Tag beendet sein. Natürlich wird auch das Wetter an diesem Tag interpretiert und vielerorts besagt eine Regel, dass der Bär noch sechs Wochen in der Höhle bleiben muss, wenn es zu Lichtmess schön warm ist. Erst nach diesen sechs Wochen ist der Bann des Winters endgültig gebrochen.

Wie dieses alte Kulturgut Eingang in die Märchenwelt findet, lässt sich wunderbar bei den Brüdern Grimm nachvollziehen: Im Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot“ leuchtet verborgen im Pelz des Bären – der ein verwunschener Prinz ist – Gold. Im Fell steckt kein anderer als der junge Sonnengott. Schneeweißchen und Rosenrot mit ihren symbolträchtigen Namen verkörpern die junge keltische Göttin Brigid und die Mutter der Mädchen, die dem Bären erlaubt, den Winter in ihrem Heim zu verbringen, ist niemand anders als die Erdmutter Frau Holle oder auch Frau Percht.
Brigid ist es, die alles Leben wieder erweckt. Sie war die mächtigste und beliebteste Göttin Irlands. Aber nicht nur dort war sie beliebt: Deshalb machten die Christen kurzerhand eine mittelalterliche Heilige aus ihr („Die heilige Maria der Iren“) und übernahmen den alten Feiertag für Brigid, der als Frühlingsanfang gefeiert wurde, und nannten ihn Mariä Lichtmess.
Ob es ihre Beliebtheit war oder ihre viel beschworene Schönheit: Brigid war im Mittelalter ein Vorbild für Frauen. Das hatte zur Folge, dass vornehme Herren die Gewohnheit annahmen, ihre Liebsten „Brides“ (englisch für Braut) zu nennen, eine Gewohnheit, die bis in unsere Tage erhalten geblieben ist.

Brigid erweckt also nicht nur die Natur, sondern auch die Gelüste der Menschen. Und so gilt der Februar traditionell als die Zeit der Verliebten. Nicht ohne Grund liegt der Valentinstag auf dem 14. Februar. Und auch wenn manch einer diesen Tag für eine Erfindung der Blumenhändler hält, muss man zugeben, dass er gut zu Brigid in ihrer Verkörperung als junge Frau oder Braut passt, die in ihrer frisch erblühten Schönheit gewürdigt und gefeiert wird. In dieser Zeit, also am Valentinstag, soll übrigens ursprünglich der Termin für das Jahreskreis-Fest gelegen haben, die katholische Kirche hat es wohl im Zuge anderer Kalender-Umgestaltungen vor einigen Jahrhunderten verschoben. Heute wird das Fest gewöhnlich in der Zeit von Maria Lichtmess, am 2. Februar, gefeiert.
„Valentin“ und „Fasnacht“ oder Fasching verkörpert den Höhepunkt der Herrschaft der weißen Königin. Ein bisschen so wie die Verliebten sind auch die Feste dieser Phase: verrückt, närrisch, manchmal auch leichtsinnig.

Während Brauchtumspfleger die Fasnacht auf keltische Wurzeln zurückführen, und sagen, Fastnacht sei die Zeit des „faselns“ (von mittelhochdeutsches „vaselen“: fruchten, gedeihen) bezeichnen Historiker und Volkskundler die Fasnacht als Vorbereitung auf das christliche Osterfest. Für sie gibt das Wort Fastnacht einen Hinweis auf die folgende 40-tägige christliche Fastenzeit. Auch im Wort „Karneval“, das aus dem italienischen „carnevale“ abgeleitet ist, fände sich der Hinweis auf die Fastenzeit: Denn „carnevale“ ist eine Kurzform des kirchenlateinischen Begriffs „carnislevamen“, was soviel bedeutet wie „Fleischwegnahme“.
Aber ob es nun erwachende Gelüste waren, oder der Wunsch, es vor der Fastenzeit noch mal so richtig krachen zu lassen: Wohl gelitten war das Fest bei der Kirche jedenfalls nicht. Fastnacht galt als unflätiges Fest, eine gottlose und teuflische Nacht, in der der Narr regierte. Eine Nacht, in der es viel lärmendes Treiben, Umzüge, Fressen, Saufen gab.

Die Abstinenzgebote der Kirche in der Fastenzeit traf die Leute empfindlich: Verboten waren alle aus Großviehund Geflügelhaltung gewonnenen Nahrungsmittel: Schmalz, Fett, Milch, Butter, Käse, Eier. Also versuchte man, vorher schnell noch alles aufzubrauchen. Aus dieser Tradition entstanden die „Fasnachtskrapfen. Die Gebote und die Ablehnung der Kirche stachelten die Feiernden erst recht an: Teufels- und Narrenkostüme erfreuten sich größter Beliebtheit. Der Narr ist bis heute die zentrale Figur der Fasnacht. Eine Figur, die bereits im Psalm 53 der Bibel als diejenige charakterisiert wird, die sagt: „Es gibt keinen Gott“.

Beliebt waren vor allem Verkleidungen, die lasterhaft wirkten, wozu auch Tierfiguren und „wilde Männer“ gehörten. Gern gesehen waren auch Verkleidungen als Geist, Kobold und unheimliche Gestalten aus der Natur. Wichtig ist es in der Fasnacht, mit Holzstöcken wild um sich zu schlagen, um den Winter mitsamt den alten Dämonen, Krankheiten und sonstigen Unholden zu vertreiben. Vielleicht auch, um die die Felder und Pflanzen aufzuwecken. Bei Fasnachtsbräuchen in Tirol und Südtirol findet die Symbolisierung des Kampfes zwischen Licht und Finsternis, zwischen Gut und Böse, zwischen Frühling und Winter immer noch statt. Fastnacht, oder auch Fasching, sind bis heute ausgelassene Feste, aufgeladen mit Erotik, erleichtert durch das Spiel mit der Maske und allerlei berauschenden Hilfsmitteln. Mit seinen Masken und dem bunten Treiben hat das Fest im Februar Parallelen zu Beltaine- und Halloween-Bräuchen.