• Annette Hess quer
  • F. Hoppe quer
  • Kai Meyer quer
  • C. Hess quer
  • Heindrichs

Mein Lieblingsmärchen ist...

Prominente erzählen, was sie früher am liebsten gehört haben

Video Annette Hess Lieblingsmärchen
Video

Wohl fast jeder hat ein Märchen, an das er sich besonders gut erinnert. Einige Prominente haben uns erzählt, an was sie sich besonders gut erinnern, was sie wichtig finden oder einfach besonders gern mögen

 

 

 

F. Hoppe quer

Schriftstellerin Felicitas Hoppe

Stroh zu Gold - Rumpelstilzchen

Sie fragen nach meinem Lieblingsmärchen? Die Antwort ist nicht nur eins, sondern viele: Meine Angst ruft das tapfere Schneiderlein auf, meine Neugier verlangt nach dem goldenen Schlüssel, meine Sehnsucht will Froschkönigs nasse Küsse, meine Abenteuerlust sucht Rotkäppchens Wolf, mein Hunger verlangt nach dem süßen Brei, mein Wunsch nach Verwandlung liest Kalif Storch, und meine Hoffnung auf Freiheit will Hans im Glück.
Doch mein heimlicher Held bleibt das Rumpelstilzchen, weil es kann, was sonst keiner kann: Es spinnt in einer einzigen Nacht einen riesigen Haufen Stroh zu Gold. Was Wunder, dass die Geschichte nicht gut ausgeht – am Ende zerreißt es sich selbst in zwei Hälften, weil es niemand für seine Arbeit entlohnt. So geht es übrigens allen, die versuchen, über Nacht die Welt zu verwandeln und das Kind der Königin zu gewinnen, um nicht länger einsam zu sein. Aber so viel ist klar: Wer nicht spinnt, wer nicht ans Handwerk der großen Verwandlungen glaubt, hat im Land der Märchen und Sagen wenig verloren und wird niemals ein Kind des Rattenfängers.

 

Drehbuchautorin Annette Hess

Das Märchen vom Wolf und vom Fuchs - in Omas Version

Als Autorin habe ich natürlich viele Lieblingsmärchen. Aber eines mag ich ganz besonders, das mir meine Oma immer erzählt hat. Und zwar „Der Wolf und der Fuchs“. Es geht um eine Schicksalsgemeinschaft, in welcher der Wolf den Fuchs immer wieder zwingt, ihm etwas zu fressen zu besorgen. Der Fuchs will sich vom körperlich stärkeren Wolf befreien, da dieser immer maßloser wird. Schließlich steigen sie bei einem Metzger durch eine Luke in den Keller ein. Dort frisst der Wolf sich richtig voll. Der Fuchs dagegen hält sich zurück und beobachtet, wie der Wolf immer dicker wird. Als der Metzger kommt, kann der Fuchs durch die Fensterluke entwischen, der Wolf passt nicht mehr hindurch. Er wird totgeschlagen, und der Fuchs ist den Wolf los.
Meine Oma hat mir von dem Märchen eine eigene Version erzählt, in der die beiden in eine Speisekammer bei einem Bauern eindrangen. Auf dem Hof sollte Hochzeit sein. Und das machte den Hauptteil ihrer Erzählung aus, das Aufzählen der Köstlichkeiten in der Speisekammer: Sahnetorte, selbstgebackenes Brot, frische Würste, Schinken, Fleisch, Käse, selbst gemachter Joghurt, Pudding... Meine Oma hatte eine Art, das zu beschreiben – allein wie sie das Wort „Butter“ aussprach –, dass einem das Wasser im Munde zusammenlief. Ich lag als Kind im Bett und war selig in dieser Fülle. Für meine Oma, Bäuerin und Kriegsgeneration, war das Themen Essen, Nahrung, Not und Fülle viel größer als die Frage, welcher Prinz kriegt welche Prinzessin. Ich wollte das Märchen von ihr immer wieder hören, weil ich gespürt habe, das liegt ihr am Herzen.

 

Märchenforscherin Ursula Heindrichs

Eminent wichtiges Märchen: Das Rumpelstilzchen

Rumpelstilzchen finde ich eminent wichtig, weil es das aktuellste Thema ist. Dass ein Mädchen vom eigenen Vater verkauft wird, missbraucht wird von dem goldgierigen König, dann aber ein Kind hat und es dem egoistischen Helfer geben soll. Dass die Königin um ihr Kind kämpft und es gewinnt, ist für mich eine Garantie für Zukunft. Den Kampf, den diese Frau führt, zu beschreiben, das dauert sehr, sehr lange. Sie ist zu Beginn sehr unselbstständig. Wenn sie eine Emanze wäre, dann ginge sie nicht dort hin. Dann würde sie sagen: „Vater, wenn Du so etwas behauptest, dass ich aus Stroh Gold spinnen kann, dann geh Du dahin.“ Aber sie geht. Als es um ihr Kind geht, das sie geboren hat, tut sie das, was Kleist in der Marquise von O. eine schöne Anstrengung nennt und kämpft um das Kind, rettet es und damit die Zukunft. Das ist für mich ein Märchen, in dem deutlich wird: Wenn wir alle heute diese Anstrengung vollbringen könnten, um das Leben so zu kämpfen wie diese junge Königin und Mutter, dann wäre wahrscheinlich das Leben der Zukunft zu retten. Wichtig finde ich auch den Froschkönig, aber das führt zu weit. Das Lieblingsmärchen wechselt bei mir immer wieder.

 

Schauspielerin Christiane Hess

Rumpelstilzchen: Fasziniert von den Fähigkeiten

Mein Lieblingsmärchen – da habe ich oft drüber nachgedacht. Und welches ich schon immer schön fand und auch heute noch finde, ist Rumpelstilzchen. Und zwar unter anderem, weil ich mich bis heute frage – und vielleicht kann mich da mal jemand erhellen – wie jemand es schafft, sich vor Wut in der Luft selbst zu zerfetzen.
Das habe ich mich schon als Kind gefragt und weiß es bis heute nicht. Ich weiß aber, dass ich schon damals eine sehr tiefe Genugtuung dabei verspürt habe, weil dieser Königin ja wirklich etwas angetan wird. Dass dieses Männchen, dieser Giftzwerg, der ja nicht verbrannt wird oder in grüne Schuhe gesteckt oder sonst was, sich selbst zerfetzt vor Wut, nachdem er sagt: „Das hat Dir der Teufel gesagt.“ Das ist natürlich eine Ironie vor dem Herrn. Vor diesem Hintergrund finde ich das Märchen sehr schön.

 

 

Fantasy- und Jugendbuchautor Kai Meyer

Das schönste Aschenbrödel

Ich glaube, mein Lieblingsmärchen ist nach wie vor Aschenbrödel. Das hat aber nicht wirklich etwas mit dem Märchen der Brüder Grimm oder der geschriebenen Version des Märchens zu tun, sondern mehr mit der Verfilmung, die wir alle schon 150-mal zu Weihnachten gesehen haben. Es ist einfach der schönste Märchenfilm, finde ich, natürlich mit dem schönsten Aschenbrödel überhaupt. Daran hängt wohl eigentlich die Begeisterung, die ich für diese Geschichten habe.