Lutterburg

Lutterburg lockt Gruseltouristen

Magnet für Paraphänomen-Fans und -Forscher

Von Joachim Zieseniß

Wäre da nicht die Hausruine mit dem eingefallenen Dach, die zwischen Bodenwerder und Pegestorf für Vorbeifahrende neben der B 83 kurz im Baumgestrüpp auftaucht, so wäre für Uneingeweihte kaum mehr etwas zu sehen von der sogenannten Lutterburg. Und dennoch scheint sich das, was sich am Hang der 240 Meter hohen Lutterbergshöhe unweit des verfallenden Weser-Gasthauses „Lichtenruh“ in Jahrzehnten der Wald zurückgeholt hat, mittlerweile im medialen Zeitalter zum Aushängeschild Bodenwerders entwickelt zu haben: zumindest in Internetforen wie „Spukvilla“ oder „Allmystery“. Dort wenigstens droht „Die unheimliche Lutterburg in Bodenwerder“ im www.-Zeitalter dem legendären Lügenbaron langsam den Rang abzulaufen.

Bei „Allmystery“ ging alles los am 11. August 2009. Damals eröffnete user „darkrather“ – übrigens selbst aus Bodenwerder stammend – dort die Diskussion über das ruinöse 21,6-Hektar-Hanggelände hoch über der Weser. „Allmystery“ – gegründet 1987 – ist eines der ersten deutschen und größten Diskussionsforen über grenzwissenschaftliche, mysteriöse, religiöse und gesellschaftspolitische Themen. Ursprünglich behandelte es ausschließlich Verschwörungstheorien, wurde aber später um mehrere Themenbereiche erweitert, die von Ufologie über Göttererscheinungen bis zu Spukphänomenen reichen.

Mittlerweile haben sich unter „Die unheimliche Lutterburg in Bodenwerder“ auf zahlreichen Seiten ebenso viele Paraphänomen-Fans und -Forscher gemeldet, die, teilweise extra aus ganz Deutschland zu den vermeintlichen Spukhäusern angereist, dort über ihre Erfahrungen mit den zwei verfallenen Herrenhäusern, der Kapelle plus Friedhof, dem Stall sowie dem Pförtnerhaus an der B 83 berichten. Von mysteriösem Hundegebell und Kinderschreien ist da die Rede. So berichtet user „Plymouth“: „Ich war heute mit meiner Frau und meinem Hund auf der Lutterburg. Wir sind von der Villa 1 zu der Stallung gewandert und haben die Kapelle gesucht. Auf dem Weg dorthin hat sich unser Hund kurz vor der Stallung sehr seltsam verhalten. Er war sehr nervös und hat ständig nach links und rechts geschaut. Wir haben zwar kein Hundegebell gehört (es war auch erst ca. 17 Uhr), aber irgendetwas war da auf dem Weg zu den Stallungen. Ich weiß nicht, wo diese blöde Kapelle ist, wir haben sie leider nicht gefunden, aber unheimlich ist es dort allemal. Unser Hund reagiert eigentlich so nur, wenn irgendetwas da ist.“

Auch dort gemachte Fotos von „Spukerscheinungen“ haben Grusel-Touristen ins Netz gestellt. Verabredungen innerhalb der Lutterburg-Community terminieren dort Dates, zu denen man sich zum gemeinsamen Gänsehautholen auf dem Hanggelände und in den Ruinen treffen will. Und neben Autotouristen hat sich ein Abstecher vom Weser-Radweg über den Hopfenberg als Geheimtipp für Radtouristen mit Sinn fürs Übersinnliche entwickelt.

So ist in den vergangenen Jahren immer wieder was los auf dem Lutterburg-Ruinengelände – auch wenn davon für Bodenwerders Polizei in der Vergangenheit nichts auffällig geworden ist. Es habe weder ein bemerkenswertes Auroaufkommen an der Bundesstraße noch irgendwelche relevanten Meldungen von der Lutterburg gegeben, berichtet der Leiter der Polizeistation Bodenwerder, Hartmut Freyer. Anders Björn Hansmann, der das Hangareal über der Bundesstraße für den derzeitigen Berliner Eigentümer „Hopfenberg Grundstücks GmbH“ verwaltet: Er hat mittlerweile längst mitbekommen, dass die Lutterburg unter Grusel-Genießern Geheimtipp ist. Überall auf dem Grundstück habe man selbstauslösende Kameras installiert, weiß Hansmann zu berichten, und „dass da abends oft die Hölle los ist“. Sogar mit Schusswaffen hätten einige der Geisterjäger da schon rumgeballert, so der Verwalter: Und sollten auf den Aufnahmen „identifizierbare Personen auftauchen, gibt es auch Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs“.