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Gold, Gold, Gold

… und die Menschheitsgeschichte

Von Richard Peter

Das Gelbe, wie Gold im Mittelalter auch genannt wurde, hatte schon im Altertum eine große Bedeutung. Man nimmt an, dass in China lange vorher Münzen benutzt wurden, die Gold enthielten. Ab dem 13. Jahrhundert wurde auch in Deutschland, zum Beispiel in Eisenberg, in Westfalen und südlich von Kassel Bergbau betrieben, um Gold abzubauen. Besonders ergiebig war das allerdings nicht.

Am Golde hängt, zum Golde drängt, doch alles, ach wir Armen.“ Selbst Gretchen aus Goethes „Faust“ weiß das. Und Mephisto natürlich, wie man schon kleine Mädchen bezirzen kann. „Gold, Gold, Gold“ jubelt der König im „Rumpelstilzchen“, als die Müllerstochter tatsächlich Stroh zu Gold spinnt. Und selbst in Beethovens „Fidelio“ singt der Kerkermeister Rocco „Hat man nicht auch Gold beineben, kann man nicht recht glücklich sein“. Gold zieht sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte, vom sagenumwobenen Rheingold der Nibelungen bis zum sogenannten Nazi-Gold. Ob im Toplitzsee im österreichischen Salzkammergut versenkt – und nie gefunden, so wenig wie im Hallstätter See gleich nebenan.
Zuletzt ging es um einen Zug, der zwischen Wroclaw (Breslau) und dem schlesischen Walbrzych (Waldenburg) geortet wurde. Am 16. August begannen die Grabungen. Und klar doch: Es geht wieder einmal um Gold. Die jüngste Schatzsuche. Und wie es aussieht: wieder erfolglos. Und über allem: Fort Knox, in dem ein gigantischer Vorrat an Goldbarren lagert. Gold – unendlich die Geschichten, in denen das begehrte Metall die Hauptrolle spielt.


Der phrygische König Midas zum Beispiel, dem alles zu Gold wird. Dionysos, der so orgiastische Gott der Griechen, hatte sich bei ihm als gute Fee erwiesen und einen Wunsch freigestellt. Und was wünschte er sich? Dass alles, was er berührt, sich in pures Gold verwandelt. Traum der Träume. So wurde alles zu Gold, was er in die Hand nahm. Was er allerdings nicht bedachte: auch alles Essen und Trinken. Midas konnte sein Testament schreiben. Mit goldener Feder immerhin. Doch Dionysos hatte ein Einsehen, und der Gierkönig konnte sich im Fluss Paktolos reinwaschen – der seitdem Gold mit sich führte und bei Goldwäschern begehrt wurde.
So ganz anders unser „Hans im Glück“, der als Lohn einen kopfgroßen Goldklumpen für sieben Jahre fleißige Arbeit erhielt. Und so ein Batzen hat natürlich sein Gewicht, lässt sich nur mühsam transportieren. Was Wunder, dass Hans ihn glücklich gegen ein Pferd eintauscht, das er für eine Kuh gibt, schließlich eine Gans einhandelt und die gegen einen Wetzstein. Ein Bescheidener, wenn auch für alle anderen: schlicht ein Depp – der dennoch glücklich ist.


Gold ist nicht alles, heißt es. Was natürlich nicht für Onkel Dagobert gilt, der nichts Schöneres kennt, als in seinem Gold zu baden und sich die Dukaten auf die Glatze prasseln zu lassen.

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Die Geldnot vieler Fürsten im Mittelalter hatte einen Boom von Alchemisten zur Folge. Also von Leuten, von denen man glaubte, sie könnten Gold herstellen. Kurfürst Friedrich August von Sachsen ließ sogar Johann Friedrich Böttger gefangen nehmen, weil er glaubte, dieser könne Metall zu Gold transferieren. Es heißt, bei einem dieser erfolglosen Versuche sei statt Gold Porzellan entstanden, das seitdem den Beinamen weißes Gold erhielt.
So hat halt jeder seine ganz persönliche Beziehung zum so verführerisch glänzenden und auch haltbaren Metall. Allerdings auch: immer die Angst, dass vielleicht nicht immer Gold ist, was da glänzt. Zumindest König Heiron II. von Syrakus hegte den Verdacht, dass er von seinem Goldschmied, bei dem er eine Krone bestellt hatte, ums edle Metall betrogen wurde. Aber wozu hatte er seinen Archimedes, dem zunächst auch nichts dazu einfiel, aber dann plötzlich, als er ins Bad stieg, eine Eingebung hatte. Ein ums andere Mal sein berühmtes „Heureka“ – was so viel wie „Ich hab’s“ – brüllte und nackt wie er war, durch die Straßen von Syrakus lief. Er hatte gerade das archimedische Prinzip entdeckt – Feststellung des spezifischen Gewichts durch die Messung von verdrängtem Wasser. Heute weiß man, dass das ziemlich ungenau ist. Aber auch Henleins Taschenuhr kann es mit einer Atomuhr an Genauigkeit nicht aufnehmen.


Bei aller Emotionalität, die Gold nun mal auslöst: Es ist zunächst einmal ein Element. Sein Symbol: „au“ von aurum mit der Ordnungszahl 79 mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad. Was es zusätzlich auszeichnet: Es ist sehr gut zu bearbeiten, korrodiert nicht. Dazu kommt die Beständigkeit des Glanzes, was für Schmuck nicht ganz unwichtig ist, seine Seltenheit und scheinbare Unvergänglichkeit. Und auffallend schwer ist Gold außerdem. So zählt es auch, nicht ganz unerwartet, zu den ersten Metallen, die verarbeitet wurden.


Die ersten gefundenen Goldartefakte, rund 3000 Objekte aus dem Gräberfeld von Warna in Bulgarien, stammen aus der Zeit von 4600 bis 4300 vor Christi. Und auch die so spektakuläre Himmelsscheibe von Nebra weist Goldauflagen aus. Um Gold ging es auch den Argonauten bei ihrer Fahrt zum „Goldenen Vlies“ nach Kolchis. Vermutlich schlicht eine Seereise griechischer Goldgräber, die später literarisch vergoldet wurde. Von der Thora kennen wir den Tanz ums „Goldene Kalb“, als Moses auf dem Sinai die Gesetzestafeln in Empfang nahm. Und später, nach der Geburt Christi, waren es die Weisen aus dem Morgenland, die neben Weihrauch und Myrrhe auch Gold als Geschenk im Gepäck hatten.
Einen Goldboom löste auch die Entdeckung Amerikas 1492 aus. Für Spanier, Portugiesen, England und Italien begann ein Wettlauf um die legendären Schätze der Inkas und Azteken. Ganze Schiffsladungen des wertvollen Materials landeten in Europa, während die Urbevölkerung des neu entdeckten Kontinents zu Millionen für Millionen geschlachtet wurden. Alles im Namen des Kreuzes. Dabei ging es, wie so oft, nur ums Gold.
Auch das ein Goldrausch – wenn auch in kleiner Besetzung und in Chaplins Film so unvergleichlich vorgeführt mit Brötchentanz – und wer könnte je die Szene vergessen, wenn er seinen weichgekochten Schuh verputzt, die Nägel wie Gräten ablutscht und die Schnürsenkel als Spaghetti aufrollt. Zentren für Goldrausch waren Kalifornien und der Klondike River in Alaska. Parallel dazu wurde auch in Australien und Südafrika nach Gold geschürft, wo sich auch das größte Goldfeld „Witwatersrand“ befindet, wo allein 40 000 Tonnen des Edelmetalls gefördert wurden. Allein 75 Prozent aller Goldfunde sind die typischen Nuggets. Der größte je gefundene Klumpen heißt „Welcome Stranger“, wurde 1869 in Australien gefunden und wog 71 Kilo.


Gold wurde auch sprachlich zum Begriff. So wird das Öl als schwarzes Gold bezeichnet und Marmor und Porzellan als weißes. Wein wird gerne auch als flüssiges Gold bezeichnet und Korallen als Gold des Meeres. Nicht ganz so positiv, was euphemistisch als Hüftgold bezeichnet wird, wenn sich Rettungsringe um die Taille legen. Natürlich kann man sich auch eine „goldene Nase“ verdienen – der „goldene Oktober“ verdankt seinen Namen der herbstlichen Blattverfärbung und angeblich gibt es auch Herzen aus purem Gold und einen „Goldenen Schnitt“.
Bedeutend die Goldfunde von Heinrich Schliemann, der Troja, das alte Ilion, ausgrub und unter anderem auch ein kronenähnliches Gehänge sowie rund 8000 Gegenstände dem deutschen Volk schenkte. Nach dem Krieg gelangte der unermessliche Schatz als Beutekunst nach Russland und wurde vor ein paar Jahren in einer spektakulären Ausstellung gezeigt. Allerdings: keine Chance, dass der „Schatz des Priamos“ jemals wieder an Deutschland zurückgegeben würde. Und noch einmal wurde Schliemann, der die Ilias des Homer nicht als Märchenbuch begriff, sondern Geschichte witterte und so auch in Mykene, dem Reich des Agamemnon, in einem der Rundgräber neben dem beeindruckenden Löwentor fündig wurde. Und dort, neben anderen Schätzen, die berühmten Goldmasken fand, die er Agamemnon zuschrieb, auch wenn die, allemal Glanzstücke des Nationalmuseums in Athen, heute nicht mehr als Originale des Heerführers im Trojanischen Krieg gelten.