Schwert quer

Wer war "Ulfberht"?

Sensationsfunde: Woher stammen das fränkische Eisenschwert und das Kupferbeil?

Von Ernst August Wulf

„Ulfberht“ steht auf dem alten Eisenschwert, das 2014 in einem niedersächsischen Dorf im Weserkies gefunden wurde. Ein Stück weiter, in einem anderen Dorf, wurde ein altes Kupferbeil ausgegraben. Beide Waffen gelten als Sensationsfunde, Wisenschaftler unterschiedlicher Couleur sind begeistert. 

Ein Privatmann hatte das Schwert 2012 bei Baggerarbeiten in der Weser gefunden. Er bewahrte es beinahe zwei Jahre bei sich zu Hause auf, ohne seinen wahren Wert zu erahnen. Als er einem Hamelner Professor von dem Fund erzählte, erkannte der an der Universität Tübingen lehrende Ur- und Frühgeschichtler sofort die Bedeutung des Fundes. Mittlerweile sind beide Fundstücke mit modernsten Hightech-Methoden von den Fachbereichen Chemie der Leibniz-Universität Hannover analysiert worden. Europaweit seien bislang 170 vergleichbare Schwerter gefunden worden, die auf der Klinge die Signatur VLFBERHT tragen, was dem Großenwiedener Fund durchaus eine „europäische Dimension“ verleihe, so der Landesarchäologe Dr. Henning Haßmann.

Eine Reihe spannender Fragen stellen sich nach den Analysen der Wissenschaftler. Etwa die, ob die 95 Zentimeter lange Waffe, die 1100 Jahre lang im Weserkies lag, gar in einem Kloster im Hochtaunus hergestellt worden sei. Und handelt es sich bei der Inschrift „Ulfberht“ um den Namen des Herstellers oder des Besitzers? Das Schwert aus der Wikingerzeit wirft immer neue Rätsel auf. 

Schwert Ulf.

Untersuchung der Funde im Labor der Leibniz-Universität 

Vermutet wird, dass das fränkische Eisenschwert, das erste seiner Art in Niedersachsen, wohl eine Hightech-Waffe der damaligen Zeit war, die trotz eines fränkischen „Waffenembargos“ in die Hände der Wikinger geriet. Nur in der Ukraine sei bislang ein gleichartiges Schwert gefunden worden, das jedoch für vergleichende Untersuchungen nicht zur Verfügung stehe, so der Bezirksarchäologe Friedrich-Wilhelm Wulf. 

Zur Legende wird das Schwert durch das Material, aus dem es hergestellt ist: Eisen mit einem signifikant erhöhten Kohlenstoffanteil, ein Material, das modernem Stahl ähnelt. Alan Williams, Archäometallurge aus England, glaubt, dass dieses Material von keinem europäischen Schmied hergestellt werden konnte. Williams arbeitet für die Wallace Collection in London, eine englische Kunstsammlung, zu der auch ein großer Bestand an Waffen und Rüstungen gehört. Aus der Form der Schwertklingen und aus dem Kontext der Funde, besonders derjenigen in Gräbern nordeuropäischer Länder, lässt sich schließen, dass Ulfberht-Schwerter in einem Zeitraum von höchsten 150 Jahren, von Mitte des 9. bis ins frühe 11. Jahrhundert entstanden.

Die Kunst, Stahl mit einem genau kontrollierten Kohlenstoffgehalt herzustellen, habe man zu dieser Zeit nur in Indien, Persien und in einigen Regionen Zentralasiens beherrscht, sagt Williams. Von dort könnte das Material auf den Handelsrouten der Wikinger über das Schwarze Meer und die Wolga bis zur Ostsee gelang sein. So lasse sich auch erklären, warum die weitaus meisten Ulfberht-Schwerter in den Ländern rund um die Ostsee gefunden wurden: Russland, dem Baltikum, Norwegen, Schweden und Finnland.

Und es gibt einen zweiten Fund nahe dem Schwert-Fundort: Es handelt sich um ein rund 5500 Jahre altes Kupferbeil, das bei Steinbergen gefunden wurde. Es ist der älteste von Menschenhand geschaffene Gegenstand in Niedersachsen. Das aus ostalpinem Kupfer gefertigte Beil wurde von drei jugendlichen Sondengängern aus Herford, die illegal auf der Suche nach Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs, entdeckt. Dass ein Kupferbeil durchaus aus der Steinzeit stammen könne, begründen die Wissenschaftler mit dem Hinweis darauf, dass um 4500 v. Chr. eine Kulturgrenze gerade am Übergang zum norddeutschen Flachland verlaufen sei.

Beide Funde hatten nur einen sehr geringen räumlichen Abstand von gerade einmal sieben Kilometer Luftlinie. Dass Schwert soll im Landesmuseum in Hannover ausgestellt werden.