Männekenloch Paschenburg

Der Graf und die Wichtelfrau

Von Seitensprung und Zauberbann

Die Paschenburg ist keine Burg, Adelige gab es dort nie und trotzdem kommt ein Graf in der Sage von der „Wichtelfrau von der Paschenburg“ vor. Das klingt alles verworren, ist aber Teil einer besonderen Geschichte des Hauses ganz in der Nähe der Schaumburg.

Karl Kayser kaufte 1827 ein Grundstück auf dem Paschenberg, der damals noch zu Hessen gehörte und mit 338 Metern die höchste Erhebung des Wesergebirges war. Kayser war Revierförster und baute zuerst einen Aussichtsturm, danach Unterkünfte für zahlende Gäste, einen Stall und einen Tanzsaal für das Landvolk. Wie viel Geld er der kurfürstlichen Finanzkammer zu Kassel dafür bezahlen musste, ist nicht überliefert. Erst 1842 errichtete er das Gebäude, das heute als Paschenburg bezeichnet wird, angeblich ohne die Hilfe eines Baumeisters. Die Paschenburg wurde danach immer wieder vergrößert. Neben Unterkünften boten er und seine Frau auch Speisen an, sodass die Burg zu einem beliebten Ausflugstreff avancierte.

Die besondere Aussicht vom Turm soll einen Blick in „Sieben Herren Länder“ ermöglicht haben: Zu sehen waren das Kurfürstentum Hessen, weil das Schaumburger Land dazu zählte, das Königreich Hannover, zu dem Hameln gehörte, das Herzogtum Braunschweig zeigte sich am Ithkamm, außerdem in Sichtweite waren das Fürstentum Lippe, das Fürstentum Schaumburg-Lippe sowie das Fürstentum Waldeck-Pyrmont und das Königreich Preußen. Ganz in der Nähe befindet sich die Schaumburg.

„Burg heißt die Paschenburg nur, weil sie so hervorragend auf dem Berg steht“, erklärt ein Führer. Den Platz habe Kayser „aus Liebe zur Heimat“ gewählt. Taktisch wichtig für einen Krieg oder Sitz eines Adligen war sie jedoch nie. Kipp vermutet, dass sie ihren Namen vom Osterfeuer hat. Das jüdische Pascha oder Pessach-Fest wurde mit dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert. Das Osterfest orientiert sich an diesem Termin, da die Kreuzigung Jesu und das Fest innerhalb weniger Tage stattfanden. Der Berg, auf dem das Osterfeuer angezündet wurde, bekam den Namen Paschenberg. Und die Burg bekam ihren dementsprechend auch.

Das Lehmgebäude mit Fachwerkkern ist bis heute ein Gasthaus und lockt noch immer Wanderer zum Verweilen.

Das war schon früher so und ist in gewisser Weise auch Teil der Sage von der Wichtelfrau von der Paschenburg. Auch diese Sage existiert in verschiedenen Versionen, bei Mund-zu-Mund-Erzählungen wurden immer wieder Details verändert. Wichtel als Hauptfiguren in einer Erzählung waren in der Gegend sehr beliebt. Auch in Hessisch Oldendorf sind sie die Helden vieler Legenden.

Die Wichtelfrau aus der Sage von der Paschenburg soll allerdings ausnehmend hübsch gewesen sein, so hübsch, dass der Graf von Schaumburg sie täglich in dem „Männekenloch“, einer Höhle mit einem schmalen Eingang unterhalb der Paschenburg, besuchte. Von diesen Höhlen gibt es jede Menge in der Nähe der Paschenburg. Die Gräfin war darüber erbost und folgte ihrem Gatten zu dem geheimen Ort, den er ihr immer verschwiegen hatte. Manchmal wird erzählt, die Wichtelfrau habe den Grafen – der bei der Überlieferung ab und zu auch ein Ritter ist – verhext, damit er sich in sie verliebte. An der Höhle angekommen, sah die Gräfin, wie ihr Mann und die Wichtelfrau tief und fest beieinander schliefen.

Zum Beweis der Untreue schnitt die Betrogene der Wichtelfrau eine Strähne Haar ab und verschwand zurück auf die Schaumburg. Als die Gräfin ihrem Gatten die Strähne zeigte, versprach der, nicht mehr zu seiner Geliebten zu gehen. In anderen Überlieferungen löste sich der Zauberbann, den ihm die Wichtelfrau auferlegte. Die Wichtelfrau erzürnte, da der Graf nicht mehr zu ihr kam. Der Sage nach hörten die Bewohner der Orte am Berg eine Stimme, die die Haarflechte und den Grafen zurückforderte. Sie prophezeite dem Grafen, dass, wenn er nicht zurückkommen sollte, seine Ländereien an Fremde fallen werden. Die Grafenfamilie starb einige Generationen später aus, die Grafschaft wurde unter den benachbarten Fürsten verteilt. In einer anderen Fassung gab ein Bürger Tage, nachdem der Graf die Wichtelfrau verlassen hatte, deren Tod bekannt.