Baxmann

Begegnung mit dem Baxmann

Der Süntelgeist spukte noch vor 100 Jahren

In der Gegend von Hessisch Oldendorf werden noch heute zahlreiche Begebenheiten erzählt, bei denen der ruhelose Baxmann sein böses und niederträchtiges Spiel getrieben hat. In den Wäldern rund um den Hohenstein habe er immer wieder Wanderer erschreckt und vielfach sogar umgebracht. Dass der Baxmann sogar noch gegen Ende des vorigen Jahrhunderts im Süntel sein Unwesen trieb, davon berichtet Konrad Buddensiek aus Völkerhausen: Es war sein Großvater, der Weber Wilhelm Buddensiek aus Bensen, dem der Baxmann einst einen üblen Streich spielte.

Folgendermaßen kam es zur Sage vom Süntel-Geist Baxmann: Gegen Mitte des 17. Jahrhunderts lebte in Hessisch Oldendorf der Ratskellerwirt und Stadtmusikant Baxmann. Man erzählte sich schon damals, er habe einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Seinen Reichtum hatte er durch Kornschmuggel, Betrügereien und Mord zusammengegaunert. Wanderer, die bei ihm einkehrten, tötete er und plünderte sie aus. So stiftete er Unheil, bis er in hohem Alter krank wurde und starb.

Doch fand seine Seele keine Ruhe und konnte auch von der Geistlichkeit nicht gebannt werden. Bis zum heutigen Tage, so heißt es, wandert er ruhelos durch den Wald um den Hohenstein und tut Böses. So damals auch dem Weber Wilhelm Buddensiek. Der besaß im Dorfe Bensen einen eigenen Betrieb, in dem er auch drei Gesellen beschäftigte. Einmal waren sie wieder gemeinsam über den Süntel gegangen, um in der Bad Münderschen Gegend Flachs einzukaufen, der dann später in Bensen versponnen und verwebt werden sollte. Die Vier hatten einen guten Einkauf getätigt und marschierten wieder in Richtung Süntelpass. Da der Aufstieg mit den schweren Flachsballen auf dem Rücken aber erfahrungsgemäß schwierig und schweißtreibend war, beschlossen sie, an der Bergschmiede oberhalb von Bad Münder erst noch einmal einzukehren und sich zu erfrischen.

An diesem besonders warmen Tag verschwand ein Bier nach dem anderen in den durstigen Kehlen der wackeren Handwerksleute, so dass es bereits nach Mittag war, als sie sich endlich auf ihren Weg Richtung Hohenstein machten. Nachdem sie den Aufstieg geschafft hatten, war die Sonne bereits untergegangen. Es war aber eine helle Vollmondnacht, und so wanderten die immer noch alkohol-erfrischten Weber weiter. Nun gab es zu jenen Zeiten unterhalb des Hohensteins Richtung Wickbolsen und Bensen eine steile Schneise. Die vier Weber hatten es sich zur Gewohnheit gemacht, ihre Flachsbündel am Ende des beschwerlichen Weges den Abhang hinunter talwärts rollen zu lassen. Auch diesmal gaben sie ihren Packen einen Stoß und sahen, wie sie bergab kullerten und unten vor einem Gebüsch liegen blieben.

Doch als sie dort ankamen, war der Flachs verschwunden. Da kletterten die Weber die Schneise wieder bergan, um nach ihren Bündeln zu suchen. Oben am Hang wieder angekommen, glaubten sie ihren Augen nicht trauen zu dürfen: Ganz deutlich konnten sie unten im hellen Mondlicht ihre Flachspacken sehen. Wieder unten angelangt, waren die Bündel aber wie durch einen Spuk erneut verschwunden. Völlig erschöpft vom Hin- und Herhetzen - von oben gesehen war der Flachs da, unten angekommen, war er verschwunden - schliefen die Weber am Fuße des Hohensteins im Walde ein. Am nächsten Morgen wagte sich Wilhelm Buddensiek ohne den Flachs nicht nach Hause zurück. Denn während er eher schmächtiger Statur war, so gab sein Weib eine stattliche Erscheinung ab, die im Dorfe den Ruhm genoß, bei einer Schlägerei auf einem Zeltfest zwei Streithähne eigenhändig auf einen Streich im hohen Bogen aus dem Zelt geworfen zu haben. Aus Angst vor ihrer Reaktion machten die Weber erst einmal in der Pappmühle Zwischenstation, tranken sich dort Mut zu und erzählten von ihrem schaurigen Erlebnis. Das Urteil aller Zuhörer war einstimmig: Die Vier waren dem Baxmann begegnet, der wieder einmal seiner Habgier freien Lauf gelassen und die Weber beraubt hatte.