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Der Fluch der Teufelsmühlen

Düstere Sagen vom Müller und seinem entlegenen Arbeitsplatz

Von Dorothee Balzereit

„Teufelsmühlen“ gibt es in Norddeutschland genauso wie in Österreich oder im Harz. Zugrunde liegt meist eine Sage, in der der Teufel einen Pakt mit dem Müller schließt. Dem werden als Motive Habsucht oder Übermut zugeschrieben, manchmal befindet sich der Müller auch in einer wirtschaftlichen Notlage. Es ist eine Form der Sage, in der ein strenger Gerechtigkeitssinn zutage tritt und in der der vom Teufel Verführte seiner vermeintlich gerechten Strafe nicht entkommt. Eine Teufelsmühlen-Sage mit einem tapferen Müllerburschen gibt es dagegen im Lipperland: Er wagt es, dem Teufel die Stirn zu bieten.

Ein geschäftstüchtiger Müller hatte nämlich entdeckt, dass der windige Saalberg sich als Standort für eine Mühle besonders gut eignete. Dass der Ort auch ein bevorzugter Rastplatz des Teufels und seinem Hexengefolge sei, störte ihn nicht weiter, er lachte nur.
Der Teufel, so hieß es, schlage in den „wilden sieben Nächten“ – wohl in der Mitte der Raunächte – dort sein Hauptquartier auf, um in jeder einzelnen vom Drachenfels zum Blockberg zu reiten.
„Dann jault die Windsbraut über die Kuppe, fegen die Blitze in Wintergewittern darüber hin, schlagen im Donner die Wolken zusammen, sprühen Feuerfunken und erhellen die ganze Nacht mit tausend Schrecken. Kommt dann der Satan auf seinem Rabenrappen selbst geritten, einen Schwanz von Hexen auf Besen und Gabeln im höllischen Sog, so schlagen die dienstbaren Geister ein scharlachrotes Gezelt auf, in welchem der Böse auf grünlich schillerndem Throne selber Platz nimmt“, heißt es in der Sage „Die Teufelsmühle auf dem Saalberg“ über die Örtlichkeit in Karl Paetows Buch „Die schönsten Wesersagen“. Und weiter: „Wehe dem Sterblichen, welcher um diese Stunde es wagen würde, seinen Weg über den Hexentanzplatz zu nehmen.
Der junge Müller lässt das Verrufene des Berges kalt, er schlägt alle Warnungen in den Wind und baut die Mühle. Einzig den Rat des Pastors nimmt er an: Er weiht die Mühle Gott und stellt auf dem Berg ein Kreuz gegen den Höllenspuk auf. Auch in die Schwellen seines Wohnhauses ritzt er die heiligen Zeichen. Und es wirkt. Satan zetert zwar und fährt dreimal wild um die Kuppe herum, doch dann fährt er mit Donnerlaut davon.
Für eine ganze Weile hat der Müller Ruhe, der in der Zwischenzeit eine Familie gegründet hat. Den Teufel aber wurmt es Jahr für Jahr, wenn er über den Saalberg zum Bocksberg fliegt. Beim ersten Anzeichen von Schwäche sieht er seine Chance gekommen: Der Müller hat Schulden und nur im letzten Moment erkennt er den mit Gold lockenden Satan.
Der Müller zahlt seine Schulden aus eigener Kraft und lange Zeit scheint alles gut. Doch mit dem Wohlstand kommt das Laster über den Meister, er fängt an zu trinken. Der Teufel sieht seine Stunde gekommen. Mit einer List bringt er den Müller dazu, von seinem Teufelswein zu trinken, lullt ihn ein und schafft es mit einem weiteren Trick, sich vom Müller Huckepack über die Schwelle tragen zu lassen.
Das war’s dann für den Müller und seine Mühle. Der Teufel lässt das Gebäude mit Donnerblitz erbeben und die Mühle brennt die ganze Nacht hindurch, der Berg ist wieder sein. Der Müller zieht mit seiner Familie weit weg und nur ein ausgebrannter Mühlenstumpf erzählt von den Tagen, als der Meister dort in der Wildnis wirkte.
Dass es gerade ein solcher Ort ist, um den sich die Sage rankt, ist typisch für die „Teufelsmühle“, von denen es viele gibt. Es sind gerade die entlegenen Gegenden, in der die meisten Mühlen lagen, die für Außenstehende voller Mystik und Geheimnis sind. Da ist zum Beispiel die wundersame Verwandlung von Getreide in Mehl. Zudem wurden Müller durch günstige Umstände über Nacht oft reich – oder bettelarm, zum Beispiel durch einen Mühlenbrand.
Wie bei den Märchen gibt es diesen Sagen keinen Raum zwischen Gut und Böse: Entweder der Müller ist ein Betrüger oder er ist tapfer. Und was man nicht erklären konnte, wurde gern dem Teufel angehängt. Besonders gut kamen beim abendlichen Kaminfeuer natürlich die gruseligen Geschichten an.
Auch bei den Brüdern Grimm findet sich einer Teufelsmühlen-Sage. Sie spielt im Harz, auf dem Gipfel des Rammberges. In dieser Geschichte versucht der Müller den Teufel zu überlisten, der ihm „eine tadelfreie Mühle von sechs Gängen“ gegen den Verkauf der Seele verspricht.
Als der Teufel merkte, dass er vom Müller übers Ohr gehauen wurde, „riß er Flügel, Räder und Wellen herab und streute sie weit umher (...) Dann schleuderte er auch die Felsen, daß sie den Rammberg bedeckten“, heißt es bei den Brüdern Grimm. Eine andere Sage mit diesem Thema spielt bei Pestorf Grave. Bei Ludwig Bechstein gibt es eine Mühlensage, in der der Teufel am Ende voller Wut das fast schon fertig gebaute Wehr wieder einreißt.
Eine andere bekannte Mühlengeschichte ist die Sage von Krabat, die in den Dörfern rund um Hoyerswerda spielt. Sie wurde von einigen Schriftstellern aufgenommen, das bekannteste Jugendbuch stammt von Ottfried Preußler.
Auch hier geht es um eine Mühle, in der es nicht ganz geheuer zugeht. Der junge Krabat findet heraus, dass die jungen Müllersburschen dort in Schwarzer Magie unterrichtet werden. Was ihn zunächst fasziniert, entpuppt sich als Falle: Am Ende jedes Jahres opfert der Meister seinen besten Schüler. Retten kann diesen nur die Liebe eines Mädchens, das in der Silvesternacht erscheint und eine Probe besteht. Das Mädchen Kantorka erscheint und fordert Krabats Freiheit. Sie besteht die Probe, der alte Meister stirbt und die Mühle geht in Flammen auf. In einer früheren Version ist es die Liebe einer Mutter, die den Bann des Zauberers brechen kann. Allerdings muss sie ihren Sohn unter zwölf Raben erkennen, in die sie zuvor von ihm verwandelt wurden.

Hintergrund

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